| Mit
16 Abgang vom Gymnasium
mit der Mittleren Reife in der Überzeugung,
dass ich mit 20 heiraten und dann ein
halbes Dutzend Kinder haben würde
und dass das Abitur daher unnötig
sei.
Ausbildung zur Entwurfsdirektrice (Modezeichnerin),
weil meine Familie eine Textilfabrik hatte
und fand, dass das ein schöner Beruf
für ein Mädchen sei. Mir war
es gleichgültig, weil ich ja bald
heiraten würde. Fünf Jahre Ausübung
des erlernten Berufs.
Mit 26 im familiären
Betrieb gekündigt, weil ich es nicht
mehr ertragen konnte, morgens in der Garderobe
der Firma nicht nur meinen Mantel sondern
auch einen Großteil meines Verstandes
abgeben zu können. Vorbereitung auf
die "Zulassung zum Hochschulstudium
ohne Reifezeugnis" vor dem wissenschaftlichen
Prüfungsamt der Universität
Bonn. Finanzierung des Lebensunterhalts
als Dozentin für Englisch an der
Volkshochschule Düsseldorf und durch
Unterstützung meines zukünftigen
Ehemanns.
Mit 28 Studium der Lehramtsfächer
Englisch und Französisch an der Universität
Düsseldorf - obwohl ich inzwischen
eigentlich Juristin werden wollte -, weil
sich ein Lehramt so schön mit den
Aufgaben einer Familienfrau verbinden
lassen würde. Ab dem 3. Semester
studentische Hilfskraft bei den Romanisten.
Mit 33 Erstes Staatsexamen,
Sekundarstufe II, und Heirat. Ein Jahr
später zusätzlich Sekundarstufe
I. Währenddessen als wissenschaftliche
Hilfskraft an der Universität. Das
Angebot zu promovieren, lehnte ich nicht
nur ab, weil ich mich nicht für französische
Lexikologie erwärmen konnte, sondern
immer noch auch wegen eventueller Kinder.
Mit 34 Referendarin am Gesamtseminar
Düsseldorf; eine von drei "AlterspräsidentInnen"
und eine der ganz wenigen von 200, die
die Referendarzeit vom ersten bis zum
letzten Tag genossen.
Mit 36 Zweites Staatsexamen;
das war 1984 und inzwischen bekamen ReferendarInnen
massenweise keine Stellen mehr. Also 1
1/2 Jahre in der vergeblichen Hoffnung
gejobt, doch noch eine Stelle zu bekommen.
Mit 38 Leiterin des Lern-
und Trainingszentrums der Volkshochschule
Düsseldorf und zwei Jahre später
zusätzlich Leiterin der Internationalen
Bibliothek der Volkshochschule in Mutterschaftsvertretung.
Mit 43 mein Privatleben
auf den Kopf gestellt, Scheidung eingereicht
und erstmals in meinem Leben massiv unter
den Einfluss feministischen Gedankenguts
geraten.
Mit 44 auch das berufliche
Leben umgekrempelt: die Ganztagsstelle
bei der VHS gekündigt und eine Halbtagsstelle
als Fremdsprachensekretärin angetreten,
um in Anglistik zu promovieren. Endlich
war ich in der Lage, mich von den mir
anerzogenen Vorstellungen eines 'ordentlichen'
Frauen-lebens zu befreien und dem Bedürfnis
nachzugeben, die Grenzen meiner geistigen
Kapazitäten auszutesten; zudem hatte
ich jetzt ein Thema gefunden, das mich
etwas anging: Feminismus.
Mit 46 auf der Suche nach
feministischer Aktivität auf die
Düsseldorfer Vorbereitungsgruppe
zum Frauenstreiktag gestoßen. Seit
der ersten Diskussion über eine Frauenpartei
vehement dafür gestritten. Eine von
22 Frauen, die im Juni 1994 beschlossen,
eine Frauenpartei zu gründen. Im
Oktober 1995 den Kreismitfrauenverband
Düsseldorf und im März 1997
den Landesmitfrauenverband Nordrhein-Westfalen
gegründet; jahrelang Bundes-schiedsfrau,
dann Kreisschatzfrau in Düsseldorf
bis zum Austritt 2005.
Mit 48 Promotion und sofortiger
Beginn der Arbeit an der Habilitation.
Meinen Lebensunterhalt verdiente ich mir
inzwischen als Lehrbeauftragte an der
Universität Düsseldorf sowie
durch Vorträge, Seminare, Führungen
und Nachhilfe.
Mit 54 Beginn des Habilitationsverfahrens
an der Universität Bonn; ein Jahr
später das Gesuch an die Universität
zurückgezogen, weil die Kommission
von mir verlangte, meinen feministischen
Ansatz deutlich zu verwässern.
Mit
56 einen Lebenstraum erfüllt
und Gesangsunterricht begonnen.
Mit
58 mein erstes nicht-wissenschaftliches
Buch veröffentlicht: 50 plus
und endlich allein, das auf großes
Interesse stößt, und
an Kurt Weill geraten.
Mit
59 einen Kurt-Weill-Abend
gestaltet, weil es mir unmöglich
ist, neue Erkenntnisse nicht in Text umzusetzen
und anderen mitzuteilen.
Mit
60 das zweite nicht-wissenschaftliche
Buch veröffentlicht: Wenn Eltern
auseinandergehen über Scheidungskinder
und Patchwork-Familien und begonnen, Theaterstücke
und Hörspiele zu schreiben. |
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